26.07.2026

Was macht ein gutes Märchen aus? – „Best of Grimms“ am Gymnasium Dornstetten

Über 200 Volksmärchen haben die Geschwister Grimm ihrerzeit gesammelt. Und nun wagte die Theater-AG des GyDo unter der Leitung von Wibke Moog am 24. und 25. Juli 2026 Erstaunliches. „Noch nie zuvor Gewagtes“ kündigten Jakob und Wilhelmine („Willa“) Grimm den Zuschauern in der Aula an: Nicht alle, aber sehr viele ihrer Märchen sollten auf die Bühne gebracht werden. In einer wunderbar erfrischend amüsanten Collage packt „Best of Grimms“ von Beate Rüter bekannte Märchenfiguren in ein neues Setting – und bricht dabei mit so mancher Märchenkonvention.

Ein Dankeschön von der Theater-AG für Wibke Moog nach erfolgreichen Probearbeiten und einem sehr unterhaltsamen Stück
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Ein Dankeschön von der Theater-AG für Wibke Moog nach erfolgreichen Probearbeiten und einem sehr unterhaltsamen Stück

Das Ensemble der Theater-AG besteht aus 14 Schülerinnen und Schülern – und es war eine wahre Freude dabei zuzusehen, wie beim Casting der perfekten Prinzessin ein regelrechter Zickenkrieg ausbricht, wie ein Frosch nach dem anderen geküsst und verworfen wird – und der notgedrungen aus dem Publikum requirierte Prinz bei keiner Holden landen kann. Rapunzel bleibt lieber kontaktanzeigenschaltend im Turm, Dornröschen legt sich aus Protest gegen den „Albtraum-Prinzen“ gleich wieder schlafen und Schneewittchen hat ohnehin ganz andere Probleme als ihr Herz zu verlieren („Wo bitte gibt es eine Toilette?“). Es war beeindruckend zu erleben, mit welcher Professionalität und Begeisterung die jungen Darstellerinnen und Darsteller ihre Rollen zum Leben erweckten: Da wurde geflucht und geschimpft, geweint und gefleht, mit den Augen gerollt – und geschlafen.

 

Die jungen Darstellerinnen und Darsteller präsentierten ihre Rollen mit großer Konzentration. Sie beherrschten ihre Texte sicher, die Einsätze saßen und mit viel Bühnenpräsenz bekam jede Märchenfigur ihren eigenen wiedererkennbaren Charakter. Anspruchsvoll war es dann, mit diesem zu brechen und auch diese Herausforderung gelang dem jungen Ensemble mühelos: Jakob Grimm versucht, sich gegen seine dominante Schwester zu behaupten, letztere hat die Zügel in der Hand und greift aus Hilflosigkeit dann doch mal zum vergifteten Apfel, um das gar nicht so prinzessinnenhafte Schneewittchen loszuwerden. Aschenputtel kritisiert die Kleiderwahl der guten Fee, die wiederum kurz davor ist, etwas überhaupt nicht Gutes zu machen. Die Erbsenprinzessin ist in ihrer Überempfindlichkeit auf der Suche nach der ergonomisch korrekten Couch alles andere als betörend und die böse Hexe kann einem zwischendurch fast leidtun. Der Prinz wiederum bekommt sein Frosch-Image einfach nicht los. Hänsel und Gretel schließlich entpuppen sich als pubertäre geldfixierte Smoothie-Junkies – auch hier verschieben sich die Sympathien quasi zu den leidgeprüften Eltern, die diese Kinder einfach nicht loswerden. Durch zahlreiche kreative Einfälle (vom alles vertickenden Hehler bis zu „Killerando“) und eine abwechslungsreiche Gestaltung gelang es der Theater-AG, das Publikum sowohl zu unterhalten als auch bis zum Schluss zu fesseln.

Was bleibt am Ende der Märchencollage? Ein Happy End für alle? Ja – aber anders als im klassischen Märchen. Rapunzel liebt ihre Kurzhaarfrisur, die Froschprinzessin und Dornröschen sind auch ohne Prinzen glücklich, Schneewittchen hat eine Toilette gefunden und sogar die böse Stiefmutter hat erkannt: Eigentlich geht es ja mehr um die inneren Werte…

In den beiden Vorstellungen zeigte die Theater-AG eindrucksvoll, wie viel Kreativität, Teamgeist und Leidenschaft in ihr steckt. AG-Leiterin Wibke Moog bedankte sich zunächst ganz herzlich bei den Jungs von der Technik, die viel Zeit und Energie in die Vorbereitung und Durchführung der Aufführungen gesteckt hatten. Sie lobte ihr junges Ensemble und betonte, wie sehr alle seit dem Start der Theaterarbeit im September gewachsen seien. Um einen typischen Märchensatz leicht abzuwandeln, darf man hoffen: Und wenn sie nicht aufhören, dann spielen sie auch im kommenden Schuljahr wieder Theater!