27.10.2022

Forstbetrieb der Stadt Dornstetten als Beispielbetrieb des Jahres 2022 ausgezeichnet

Die ANW Baden-Württemberg würdigt mit dieser Auszeichnung die vorbildliche naturgemäße Waldbewirtschaftung im Stadtwald

Das Foto zeigt v.l.n.r. Revierleiter Ralf Polkowski, Christoph Zink (ANW), Bürgermeister Bernhard Haas und Natalie Günter (Stadt Dornstetten) sowie die beiden städt. Forstwirte Jens Endler und Marvin Franz.
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Das Foto zeigt v.l.n.r. Revierleiter Ralf Polkowski, Christoph Zink (ANW), Bürgermeister Bernhard Haas und Natalie Günter (Stadt Dornstetten) sowie die beiden städt. Forstwirte Jens Endler und Marvin Franz.

Die Stadt Dornstetten setzt seit mehr als 30 Jahren in ihrem Wald auf die naturgemäße Waldbewirtschaftung nach den Grundsätzen der ANW. Bis 1986 war der Waldbau im Stadtwald Dornstetten geprägt durch den sog. Blendersaumschlag. Dieses flächige Waldnutzungsverfahren begünstigte besonders die Fichte. Daraus entstanden, wesentlich mit verursacht durch überhöhte Wildbestände, flächig einförmige, monotone Waldbestände. Die Tanne und weitere Mischbaumarten blieben weitgehend auf der Strecke. Der Wechsel zur naturgemäßen Waldwirtschaft erfolgte Mitte der 80er Jahre. Die Stadt als Waldbesitzerin formulierte ein klares Ziel der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der Entwicklung tannenbetonter Dauerwälder für ihren eigenen Wald und verfolgt seither kontinuierlich und konsequent die Umsetzung.

Die Stadt erkannte die Notwendigkeit der Umstellung auf eine waldfreundliche Bejagung im Stadtwald. Mit dieser Art des Jagdbetriebs, der sich an den Notwendigkeiten der Waldbewirtschaftung orientiert, gelingt erst die ständige Erneuerung des Waldes durch natürliche Verjüngung. Revierförster Ralf Polkowski stellte den Waldbaubetrieb um. Er verzichtet auf Kahlschläge und pflegt mit den drei städtischen Forstwirten die Waldbestände regelmäßig. Dabei orientiert er sich konsequent am Einzelbaum und integriert mit viel Fingerspitzengefühl natürliche Waldentwicklungsprozesse sowie Naturschutzelemente in die Waldbewirtschaftung. Von der naturgemäßen Waldpflege profitiert insbesondere die heimische Weißtanne. Auf einem Großteil der Forstbetriebsfläche stehen heute vielfältig gemischte, ungleichartige, mehrschichtige und gut strukturierte, tannenbetonte Dauerwälder.

Die waldbauliche Entwicklung wird durch die alle zehn Jahre stattfindende Forsteinrichtungsplanung und eine Betriebsinventur mit permanenten Stichprobenpunkten überprüft und bildet die Grundlage für die weitere Waldentwicklungsplanung. Die jüngste Forsteinrichtung bescheinigt dem Stadtwald einen sehr zufriedenstellenden Waldzustand sowie ein gutes Holzvorratsniveau und weist auf einem Großteil der Fläche einen hohen Vorrat an nachrückender Naturverjüngung aus. Diese bildet die nächste Waldgeneration und bietet dem Stadtwald auch in Zukunft beste Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Stadt ist stolz auf ihren Stadtwald und ihre Mitarbeiter. Große gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen sind Basis der Zusammenarbeit. Der Gemeinderat und Bürgermeister Bernhard Haas leben dieses Vertrauen und freuen sich, dass sich langfristiges Denken und nachhaltiges Handeln in einem guten Waldzustand mit regelmäßig sehr guten wirtschaftlichen Ergebnissen widerspiegeln.

Mit der Auszeichnung zum Beispielbetrieb des Jahres 2022 würdigt die ANW insbesondere die Kontinuität in der waldwirtschaftlichen Zielsetzung der Stadt Dornstetten, die zielgerichtete und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller handelnden Personen rund um die Waldbewirtschaftung und die jahrzehntelange konsequente naturgemäße Waldbewirtschaftung und Waldpflege.

Dadurch ist der Stadtwald Dornstetten in vorbildlicher Weise zu einem naturgemäßen Dauerwald entwickelt worden, der beispielgebend für einen multifunktionalen und auf die Zukunft ausgerichteten Wald ist.

 

WEITERE INFORMATION

Die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft

In der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, kurz ANW, arbeiten forstliche Praktikerinnen und Praktiker aus allen Waldbesitzarten - Waldbesitzer, Forstleute, Professoren forstlicher Hochschulen, Studierende u.a. - gemeinsam daran, den Dauerwaldgedanken und die naturgemäße Waldwirtschaft durch praktische Erfahrungen, Austausch und Diskussionen sowie wissenschaftliche Untersuchungen laufend zu entwickeln und weiterzubringen. Alle Mitglieder eint das Streben nach einer verantwortungsbewussten, nachhaltigen Nutzung und Pflege der Wälder zur dauerhaften Sicherung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Leistungen des Waldes. Die ANW wurde 1950 in Schwäbisch Hall gegründet und bündelt und erweitert ständig ihre Kompetenz in Sachen Waldbau, naturgemäße Waldwirtschaft und Dauerwald.

 

Grundlegend: der Dauerwaldgedanke von Professor Alfred Möller

Vor 100 Jahren veröffentlichte Professor Alfred Möller von der Forstakademie in Eberswalde 1922 seine Schrift: „Der Dauerwaldgedanke, sein Sinn und seine Bedeutung“. In Zeiten eines besorgniserregenden Waldzustandes mit flächigen Waldübernutzungen aus dem vorhergehenden Jahrhundert und praktizierten großräumig schematischen Kahlschlägen mit Pflanzungen von Nadelbäumen in Monokultur stellte Prof. Möller mit seinem „Dauerwaldgedanken“ eine völlig neue Vorstellung von künftiger Waldbetrachtung und Waldbewirtschaftung in den Raum.

Möller lehnte Kahlschläge, Monokulturen und alle schematischen Waldbewirtschaftungsformen ab. Er forderte eine neue und ganzheitliche Betrachtung des Waldes als „Organismus“, d.h. ein gesunder Boden, ein ungleichaltriger, vielfältig gemischter Wald und auf der ganzen Fläche ein gesunder Holzvorrat, der ständig zu pflegen ist, der laufend Holz produziert und stets Nutzungsmöglichkeiten bietet.

Er betrachtete ganzheitlich das dauerhafte, vielgestaltige, dynamische Ökosystem Wald, das aufbauend auf natürliche Prozesse durch stetige und wiederkehrende Waldpflege einen dauerhaft stabilen Zustand anstrebt, der alle Waldleistungen für die Gesellschaft auf der Fläche in möglichst optimaler Weise erfüllt.

 

Grundsätze der ANW – Was ist Dauerwald?

Dauerwald ist

  • ein dem Waldstandort angepasster gemischter, ungleichaltriger, bewirtschafteter Wald.
  • ein Wald, der als funktionierendes Ökosystem mit Selbstregulation, Selbsterneuerung durch natürliche Waldverjüngung und große Stabilität durch stetige Waldpflege entwickelt und erhalten wird.
  • ein Wald, in dem die natürlichen Prozesse der Waldentwicklung – seine Regeneration, Mischung, Differenzierung, Strukturierung, mit Integration von Totholz und verschiedensten Biotopelementen – wirken und integriert sind; diese Prozesse sind Grundlage der Waldpflege.
  • ein Wald, in dem sehr schonend mit dem Standortpotenzial umgegangen wird.
  • kein Kahlschlag, Orientierung der Waldwirtschaft am Einzelbaum.
  • Stetigkeit und ständige Pflege des Holzvorrates und des Holzzuwachses.
  • eine waldfreundlich ausgerichtete Jagd, die dauerhaft angepasste Wildbestände schafft. Das ist die unabdingbare Voraussetzung für laufende natürliche Waldverjüngung.
  • Schutz des Bodens und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Pflege des Humuskapitals im Waldboden.

 

 

Kontakt:

ANW Landesgruppe Baden-Württemberg e.V.

Geschäftsführer Matthias Breithaupt

Geschäftsstelle: mobil: 0163-2166787

Geschaeftsstelle@anw-baden-wuerttemberg.de;